Das Startup-Training für Nicht-Wirtschaftler

Bald beginnen die ersten venture challenge Kurse in diesem Jahr und wer könnte davon nicht besser berichten als ein Teilnehmer? Wir haben Philipp Kirchhoff darüber ausgefragt, der an der Uni Basel im letzten Jahr seine ersten Schritte in eine mögliche Unternehmerkarriere unternommen hat. Was es genau mit dem KORING auf sich hat, erklärt uns der Chirurg aus dem Unispital Basel gleich in der ersten Frage.

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Philipp Kirchhoff: Dank venturelab mit Unternehmerwissen ausgestattet, um in Zukunft das eigene Produkt auf den Markt zu bringen

«Philipp, wie sieht dein Geschäftsmodell mit dem du dich beim venture challenge beworben hast?»
Philipp Kirchhoff: «Ich habe ein Implantat entwickelt, welches eine häufige Komplikation bei Patienten mit künstlichem Darmausgang verhindern soll. Es gibt zahlreiche Gründe, warum ein Patient einen künstlichen Darmausgang benötigt, z.B. bei Entzündungen oder Tumoren. Beim künstlichen Darmausgang entleert sich der Stuhl aus einer Öffnung in der Bauchdecke. 30-50% dieser Patienten entwickeln in den ersten drei Jahren eine sogenannte Hernie – eine Erweiterung der Bauchdecke mit Stabilitätsverlust und Vorwölbung des Bauches. Dies führt im Verlauf zu Schmerzen, kosmetischen Problemen, hohem Leidensdruck, erneuten chirurgischen Interventionen und nicht zuletzt zu enormen Kosten für das Gesundheitssystem. Das entwickelte Implantat ist biokompatibel, stabilisiert die Bauchdecke und beugt so einer Hernieentstehung vor.»

«Wie bist du auf die Idee gekommen?»
Philipp Kirchhoff: «Als Chirurg besuche ich natürlich Kongresse und so fiel mir bei einem Vortrag dieses unzureichend gelöste Problem auf. Dies ging mir nicht mehr aus dem Kopf und so begann ich das Design, das Material und die Struktur des Implantates zu spezifizieren und weiterzuentwickeln. Die Chirurgie fordert ja alltäglich das Lösen von unvorhergesehenen Problemen. So ging ich dieses bekannte, aber unbefriedigend gelöste Problem an.»

«Deinen Business Case hast du während eines Semesters bei venture challenge an der Uni Basel weiterentwickelt – beschreib doch bitte in eigenen Worten den Kurs.»
Philipp Kirchhoff: «Die frühabendlichen Veranstaltungen waren perfekt für mich. Der Kurs lebt zum einen von den überaus vielfältigen Ideen aus allen Unternehmensbereichen. Zum anderen haben mich sowohl Organisatoren und Referenten mit Ihrem Elan und Spirit jedes Mal mehr motiviert, für mein Projekt zu kämpfen und die Vision weiterzuentwickeln. Meine Kontakte konnte ich in einem mir bis dahin völlig unbekanntem Umfeld schnell ausbauen. Neben wertvollen Informationen, interessanten Menschen und einem groben Fahrplan für die Zukunft konnte ich mir so auch den Weg zu einem KTI Coaching ebnen.»

«Konnte man innerhalb der Teams den berühmten Startup-Spirit spüren?»
Philipp Kirchhoff: «Obwohl die meisten Projekte natürlich noch in der Frühphase steckten, war die Motivation bei allen sehr hoch. Vielleicht auch gerade deswegen. Ausserdem schaute man auch aufmerksam auf die anderen Projekte und spürte, dass jeder seine Ziele unbedingt verfolgen wollte.»

«Ist es auch für Teilnehmer interessant, die keine Idee aus dem High-Tech Bereich haben bzw. deren Projekte nicht behandelt werden?»
Philipp Kirchhoff: «Der Kurs ist definitiv für alle Ideen geeignet! Auch wenn mal eine etwas verrückte Idee dabei ist – man wird immer mit Respekt und einer Menge an Informationen belohnt. Und selbst, wenn das eigene Projekt nicht im Kurs behandelt werden konnte, so sind die Inhalte leicht übertragbar, so dass es für jeden sehr bereichernd ist.»

«Was hast du während den 14 Wochen alles gelernt?»
Philipp Kirchhoff: «Ich habe die Grundlagen für einen ausgereiften Businessplan, dessen Präsentation und Schritte zur Unternehmensgründung erfahren. Ebenso war die Möglicheit viele unbekannte Fragestellungen zu bearbeiten für mich sehr bereichernd. Und auch die wiederkehrenden Gruppenarbeiten und "Hausaufgaben" sorgten für  eine hohe Motivation. Herausragend sind jedoch die hochprofessionellen Referenten gewesen, die sehr praxisnah mit uns gearbeitet haben. Sie haben Spirit, Motivation, Wertschätzung und kalkulierbare Risikobereitschaft mit einem unübertroffenen Engagement vermitteln können. Unterstützt wurde dies durch ein tolles Organisationsteam.»

«Warum kannst du dir vorstellen ein Unternehmen zu gründen, anstatt weiterhin einer Tätigkeit im Spital nachzugehen?»
Philipp Kirchhoff: «Ich bin im Moment und auch in absehbarer Zukunft voll in meinem Beruf tätig, weil dieser Spass macht und ebenfalls täglich Herausforderungen bietet.Trotzdem ist es für mich nicht abwegig meine Vision zu verwirklichen und meine Entwicklung zum baldigen Markteintritt zu lancieren. Die Motivation für eine eigene Erfindung zu arbeiten, mit einer Risikobereitschaft neue Gebiete zu erobern und auch eigene Erfahrungen in einem völlig anderen Geschäftsfeld als im eigenen Beruf zu gewinnen öffnet viele Türen. Wenn alles gut läuft, werde ich hoffentlich mit einem tollen Team in der ersten Jahreshälfte meine Firma gründen.»

«Du nimmst jetzt ein Jahr nach venture challenge auch bei venture plan teil. Ausserdem hast du bereits bei venture kick eine Runde überstanden. Wo kannst du dich noch steigern und was sind deine Tipps für andere, um mit ihren Projekten zu überzeugen?»
Philipp Kirchhoff: «Da ich ohne grosses wirtschaftliches Grundwissen gestartet bin, versuche ich dieses gerade aufzuholen – deswegen ist venturelab natürlich Gold wert. In kurzer Zeit muss ich trotzdem noch viele Baustellen optimieren, was mich zwar fordert, aber auch grossen Spass macht. So kann ich auch venture kick jeden empfehlen, da man dort immer ein Gewinner ist – egal wie weit man kommt. Kontakte, Informationen, konstruktive Kritik:  damit wächst man stets. Und mein Motto um andere zu überzeugen: das geht nur, wenn ich selbst vollkommen an meine Idee glaube. Und das tue ich seit nunmehr einem Jahr.»

Weiterführende Links

annual report 2013

Mehr als 11 Mio. an Startkapital, über 298 finanzierte Startups, mehr als 464 Mio. an Folgefinanzierungen und 2433 neue Jobs - dies ist der Erfolgsausweis von venture kick seit die private Initiative im Herbst 2007 ins Leben gerufen wurde (Konsortium).

annual report 2013

Eine philanthropische Initiative eines privaten Konsortiums

Wissenschaftliche Innovationen in die Marktwirtschaft zu transferieren und damit nachhaltige Arbeitsplätze zu schaffen ist der Schlüssel für sozialen und wirtschaftlichen Wohlstand. Startups sind besonders in den Anfängen hohen wirtschaftlichen Risiken ausgesetzt, die weder von öffentlichen Geldern, noch von privaten Investoren abgefedert werden. Diese Lücke zu schliessen und Startups in einer sehr frühen Phase zu unterstützen ist wichtig und eine philantropische Aufgabe.