Ein eigenes Unternehmen zu gründen, bedeutet immer, sich auf eine abenteuerliche Reise zu begeben

1993 gegründet, hat sich die Firma Day Software zu einem der führenden Anbieter im Bereich Content Management entwickelt. Heute betätigt sich Mitgründer Michael Moppert unter anderem als Jury-Experte bei venture kick. Im Gespräch mit dem erfahrenen Unternehmer.

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Michael Moppert, Gründer von Day

Ende Juli wurde bekannt gegeben, dass der US-Konzern Adobe die Basler Day Software übernehmen wird.

Herr Moppert, was bedeutet dieser Schritt für Sie?
Mit der Übernahme von Day Software durch Adobe, einem der weltweit grössten Technologie-Anbieter, schliessen wir eine enorm spannende, aussergewöhnliche Unternehmensgeschichte mit einem grossen Erfolg ab. Day hat sich in über 15 Jahren vom kleinen Startup über einen erfolgreichen Börsengang hin zum Teil eines weltweit tätigen Software-Konzerns entwickelt. Wir sind sehr stolz darauf, dass unser Team und unsere Technologie nun wirklich global zum Einsatz kommen. Aus unternehmerischer Sicht freuen wir uns natürlich darüber, dass uns diese Erfolgsstory trotz zwei schweren weltweiten Krisen – dem Platzen der Dot-Com Blase und der Finanzkrise - gelungen ist. Ich hoffe, wir können damit ein Beispiel dafür geben, dass es sich lohnt, ein eigenes Unternehmen zu gründen und dass die Schweiz dafür ein ausgezeichnetes Umfeld bietet.

Sie sind einer der Gründer von Day Software und haben das Unternehmen während mehr als 16 Jahren erfolgreich geführt. Was ist Ihnen aus der Anfangszeit geblieben?
Das war eine enorm spannende Zeit. Ein eigenes Unternehmen zu gründen bedeutet immer, sich auf eine abenteuerliche Reise zu begeben. Wir hatten aber die ausserordentliche Chance, sozusagen vollkommen unbekanntes Territorium zu erforschen. Als wir loslegten, war der spätere Gründer von Netscape gerade daran, den allerersten Browser zu entwickeln. Kein einziges grosses Unternehmen hatte eine eigene Website, das Internet steckte noch nicht mal richtig in den Kinderschuhen.

Für uns bedeutete das, dass wir praktisch alles neu erfinden mussten: Was sind unsere Produkte, unsere Dienstleistungen? Was ist unser Geschäftsmodell und wer sind unsere Kunden? Im ersten Jahr waren wir ständig unterwegs und haben uns mit potentiellen Kunden unterhalten. Das bedeutete permanentes Klinkenputzen, Cold Calling, unzählige Präsentationen, enorm lange Arbeitszeiten und kaum Geld. Es gab damals in der Schweiz keine Startup-Szene mit Finanzierungsmöglichkeiten. Wir mussten einfach Geld verdienen, wenn wir überleben wollten. Und das hiess: So schnell wie möglich Kunden finden für eine Technologie, von der die allermeisten Gesprächspartner noch kaum gehört hatten.

Was waren Ihre grössten Erfolgserlebnisse?
Das wichtigste Erfolgserlebnis ist sicher, dass es uns gelungen ist, Day von einer kleinen Schweizer Beratungsfirma zu einem international erfolgreichen Software-Unternehmen auszubauen. Dabei war insbesondere der Aufbau unserer Präsenz in den USA zentral, wo wir seit Jahren rund die Hälfte unseres Umsatzes machen. Die USA sind nun mal das Kernland der Software-Industrie und ich bin der Überzeugung, dass ein europäisches Software-Unternehmen bis auf ganz wenige Ausnahmen abgesehen längerfristig nur Erfolg haben kann, wenn es in den USA Fuss fasst.

Dieser Erfolg geht Hand in Hand mit der Entwicklung einer Unternehmens-Kultur, die diese Inernationalität widerspiegelt. Ich denke, dass viele Unternehmen diese Herausforderung unterschätzen. Es ist anspruchsvoll, verschiedene Management-Stile und Mentalitäten zu einem harmonischen Ganzen zu verbinden. An der Oberfläche sehen die Differenzen zwischen der Art, wie Business in der Schweiz, Grossbritannien oder den USA gemacht wird, nicht so gross aus. Im Alltag gibt es dann aber immer wieder Situationen, in denen fundamentale Gegensätze aufeinanderstossen. Ich bin sehr stolz darauf, dass es uns gelungen ist, eine internationale Unternehmenskultur zu entwickeln. Das war übrigens auch einer der Gründe, wieso sich der US-amerikanische Konzern Adobe entschlossen hat, der Schweizer Firma Day Software ein Übernahmeangebot zu machen.

Mit welchen Herausforderungen hatten Sie zu kämpfen?
Unsere Branche wird dominiert von US-amerikanischen Unternehmen. Software, die nicht aus den USA kommt, ist selten. Zudem sind die meisten Anbieter grosse Firmen mit Milliardenumsätzen und entsprechenden Marketingmitteln. Wir waren da also immer der Underdog und konnten uns nur durchsetzen, weil unsere Software am Ende des Tages einfach deutlich besser war als die Lösungen unserer Mitbewerber. Das erforderte viel Biss und Durchhaltevermögen.

Im August 2009 haben Sie sich aus der operativen Geschäftsleitung zurückgezogen. Was hat Sie zu diesem Schritt bewogen?
Für die Gründung und den Aufbau eines Unternehmens braucht es andere Fähigkeiten als für den weiteren Ausbau einer stabilen Unternehmung mit attraktiven weiteren Wachstumsschancen. Es ist wichtig, dass Gründer den richtigen Zeitpunkt finden, um ihre Rolle weiter zu entwickeln und auch neue Leute an Bord holen. Das ist für den langfristigen Erfolg eines Unternehmes zentral.

Wir haben für diesen Wechsel einen sehr guten Zeitpunkt gefunden: Ich habe das Unternehmen über 15 Jahre lang geleitet. Wir haben Day international erfolgreich positioniert, wir haben ein ausgezeichnetes Produkteportfolio entwickelt und haben ein starkes, stabiles Team aufgebaut. In dieser Situation war ein Wechsel an der Unternehmensspitze problemlos möglich.

Ihr grosser Erfahrungsschatz bringen Sie als Jury-Mitglied bei venture kick ein. Was bedeutet dieses Engagement für Sie?
In der Jury haben wir das Privileg, ein enormes Spektrum von Ideen und Persönlichkeiten zu sehen. Das ist sehr anregend. Ich denke, dass ich die eine oder andere Situation, in denen sich diese Teams befinden, ganz gut kenne und vielleicht selbst eine Erfahrung gemacht habe, die ich weitergeben kann. In meiner eigenen Karriere hätte ich gerne ab und zu die Möglichkeit gehabt, jemanden mit relevanter, praktischer Erfahrung um seine Meinung oder Einschätzung zu fragen. Theorie gibt es genug. Was fehlt, sind Praktiker. Ich hoffe, ich kann hier einen Beitrag leisten.

Was raten Sie einem IT-Startup, das ganz am Anfang steht?
Zum einen: realistisch sein. Es ist zentral, seinen Markt, seine Kunden, seine Mitbewerber, sein Technologie-Umfeld im Detail zu kennen und genau zu wissen, welchen Wettbewerbsvorteil das eigene Unternehmen hat. Eine gute Idee alleine genügt nicht. Es braucht die permanente Analyse: Was braucht es, um wirklich professionell am Markt bestehen zu können, wo sind Defizite und wie können diese behoben werden? Im operativen Alltag müssen Probleme schnell und aggressiv identifiziert und gelöst werden. Wenn etwas in Schieflage ist – und das kommt permanent vor – muss das Team schnell und entschieden handeln. Das Prinzip Hoffnung ist keine Basis für Erfolg.

Zum anderen - trotz allem Realismus: Investiert euer Herzblut! Ein eigenes Unternehmen zu gründen und zu leiten ist eine fantastische Erfahrung und bietet enorme Möglichkeiten. Aber es ist kein Sonntagsspaziergang. Wir brauchen junge Unternehmer, die Begeisterung zeigen und mit vollem Engagement hinter ihrem Team und ihrer Company stehen. Gerade in der Anfangsphase gibt es in einem Startup viel Arbeit, wenig Geld und da ist die wichtigste Währung der eigene Enthusiasmus, die Überzeugung und die Motivation, dass man das schaffen kann und wird. Mitarbeiter, Kunden oder Investoren spüren sehr genau, ob ein Team sich voll und ganz für sie einsetzen wird.

Und zum Abschluss: Was wünschen Sie sich für die Startup-Szene Schweiz?
Noch mehr enthusiastische junge Leute, die sich mit voller Energie und tollen Ideen auf das Abenteuer eines eigenen Unternehmens einlassen!

Über Day Software
Day Software ist ein führendes Unternehmen im Bereich Content Management und hat sich seit 1993 von einer lokal angesiedelten Schweizer Beratungsfirma zu einem globalen Softwareanbieter entwickelt. Seit April 2000 ist Day Software an der SIX Swiss Exchange (SIX: DAYN) gehandelt und kann mehr als 200 Implementierungen bei führenden global operierenden Unternehmen, wie zum Beispiel Audi, Kanton Zürich, Daimler, DHL Worldwide Express, McDonald’s Corporation, National Health Service UK, Schweizer Regierung, TNT Express Worldwide und Volkswagen vorweisen. Ende Juli 2010 haben Day Software und der US-amerikanische Software-Konzern Adobe bekannt gegeben, dass Adobe Day übernehmen will und dafür 255 Millionen Franken bietet.

Weiterführende Links

annual report 2013

Mehr als 11 Mio. an Startkapital, über 298 finanzierte Startups, mehr als 464 Mio. an Folgefinanzierungen und 2433 neue Jobs - dies ist der Erfolgsausweis von venture kick seit die private Initiative im Herbst 2007 ins Leben gerufen wurde (Konsortium).

annual report 2013

Eine philanthropische Initiative eines privaten Konsortiums

Wissenschaftliche Innovationen in die Marktwirtschaft zu transferieren und damit nachhaltige Arbeitsplätze zu schaffen ist der Schlüssel für sozialen und wirtschaftlichen Wohlstand. Startups sind besonders in den Anfängen hohen wirtschaftlichen Risiken ausgesetzt, die weder von öffentlichen Geldern, noch von privaten Investoren abgefedert werden. Diese Lücke zu schliessen und Startups in einer sehr frühen Phase zu unterstützen ist wichtig und eine philantropische Aufgabe.