Wie sich Startups bewerten lassen

Um ein Unternehmen zu bewerten, ist nicht die aktuelle Substanz einer Firma ausschlaggebend, sondern vor allem deren zukünftiges Potenzial. Am venture apéro in Basel erklärte Jost Renggli von Venture Valuation anhand von anschaulichen Beispielen, was für Methoden es zur Bewertung von Startups gibt.

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Jost Renggli von Venture Valuation AG

Price is what you pay. Value is what you get. So ein Zitat von Warren Buffet. Und nach Jost Renggli eine der Grundlagen, die in der Startup-Bewertung zu berücksichtigen ist. Denn während der Wert das objektive Potenzial einer Firma wiederspiegelt, wird der Preis durch Angebot und Nachfrage bestimmt und kann unter Umständen erheblich vom effektiven Wert abweichen.

Assessment und Risikoanalyse
Um ein Startup zu bewerten, erfolgt in einem ersten Schritt ein Assessment, das heisst eine qualitative Beurteilung des Unternehmens. Hier spielen weiche Faktoren wie das Management, der Markt, das Produkt und die Unternehmensphase eine wichtige Rolle. Darauf aufbauend erfolgt eine Risikoanalyse, in deren Zusammenhang der Zeitwert des Geldes wichtig ist. Was heisst das genau? Nach Jost Renggli kann man sich das ganz einfach vorstellen: Wenn einer das Recht verkauft, dass ein anderer in einem Jahr 100 Franken erhält, muss man sich die Frage stellen, was denn diese 100 Franken heute wert sind. Die Antwort lautet: weniger! Denn würde man das Geld zur Bank bringen und dafür einen Zins von beispielsweise zwei Prozent erhalten, wären die 100 Franken heute nur 98 Franken wert.

Zukünftige Einnahmen abzinsen
Um diesen Zeitwert des Geldes im Bewertungsprozess zu berücksichtigen, verwendet man einen Diskontsatz, mit dessen Hilfe zukünftige Geldströme (sogenannte Free Cash Flows) abgezinst werden. Vereinfacht gesagt reflektiert dabei der Diskontsatz die Kapitalkosten sowie das Risiko, dass der Investor sein Geld nicht mehr (oder nur mit ungenügender Rendite) zurück erhält.

Verschiedene Bewertungsmethoden
Um ein Startup zu bewerten, stehen verschiedene Methoden zur Verfügung. Gemäss Jost Renggli hat jede ihre Vor- und Nachteile. Er empfiehlt daher, wenn immer möglich, eine Kombination von verschiedenen Bewertungsmethoden vorzunehmen. Am venture apéro stellte er neben der Discounted Cash Flow (DCF) Methode zwei marktbasierte Bewertungsverfahren (Market Comparable und Comparable Transactions) sowie die Venture Capital Methode vor.

Ausfallrisiko berücksichtigen
Während zur Berechnung des Unternehmenswerts nach der DCF die zukünftigen Cash Flows geschätzt und danach mit dem Diskontsatz auf den heutigen Wert abgezinst werden, wird bei marktbasierten Methoden das Unternehmen mit Konkurrenzunternehmen verglichen. Dabei werden Börsenkurse und Transaktionspreise ins Verhältnis zu Umsatz, Gewinngrössen, der Anzahl Mitarbeiter oder anderer zum Teil industriespezifischen Kenngrössen gesetzt. Bei der Venture Capital Methode wird hingegen der Wert des Unternehmens in fünf Jahren geschätzt (sogenannter Exit Preis) und dieser wiederum (analog zur DCF) auf den heutigen Wert abdiskontiert, um auch hier Zeitwert und Ausfallrisiko zu berücksichtigen.

Keine exakte Wissenschaft
Abschliessend hielt Jost Renggli nochmals fest, dass Unternehmensbewertung keine exakte Wissenschaft ist. Die Bewertung muss als ganzheitlicher Prozess gesehen werden. Ebenfalls geht es nicht darum, einen Preis zu berechnen, sondern vielmehr den Bereich abzustecken, in dem sich der Unternehmenswert bewegt. Denn der exakte Preis, so Jost Renggli, sei dann schliesslich Verhandlungssache.

Über Venture Valuation
Venture Valuation AG ist auf die unabhängige Beurteilung und Bewertung von Technologie-Firmen in schnell wachsenden Industrien spezialisiert. Dazu zählen insbesondere Unternehmen aus den Bereichen Life Sciences (Biotech, Pharma, Medtech) sowie High-Tech, Nano-Tech und IT/Internet. Gegründet wurde das Unternehmen 1999 von Patrik Frei. Jost Renggli ist COO und Partner bei Venture Valuation und engagiert sich zusätzlich als Jury-Mitglied bei venture kick.

Weiterführende Links

annual report 2013

Mehr als 11 Mio. an Startkapital, über 298 finanzierte Startups, mehr als 464 Mio. an Folgefinanzierungen und 2433 neue Jobs - dies ist der Erfolgsausweis von venture kick seit die private Initiative im Herbst 2007 ins Leben gerufen wurde (Konsortium).

annual report 2013

Eine philanthropische Initiative eines privaten Konsortiums

Wissenschaftliche Innovationen in die Marktwirtschaft zu transferieren und damit nachhaltige Arbeitsplätze zu schaffen ist der Schlüssel für sozialen und wirtschaftlichen Wohlstand. Startups sind besonders in den Anfängen hohen wirtschaftlichen Risiken ausgesetzt, die weder von öffentlichen Geldern, noch von privaten Investoren abgefedert werden. Diese Lücke zu schliessen und Startups in einer sehr frühen Phase zu unterstützen ist wichtig und eine philantropische Aufgabe.