Amerikaner denken weniger über das Scheitern nach

Gibt es Unterschiede zwischen der Startup-Szene in der Schweiz und den USA? Jan Lichtenberg von InSphero erzählt von seinen Eindrücken in Boston und kommt zum Schluss, dass viele Unterschiede, aber auch viele Gemeinsamkeiten bestehen.

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Während unserer Zeit in der Greater Boston Area haben wir die Möglichkeit, uns mit Startup-Unternehmern aus den USA auszutauschen und in das eine oder andere Unternehmen hinein zu sehen.

Der Schritt zum eigenen Unternehmen
Oft gewinne ich dabei den Eindruck, dass die Amerikaner den Schritt zum eigenen Unternehmen schneller machen und dabei weniger über ein mögliches Scheitern nachdenken. Vielmehr werden die Gründung und der Aufbau des Startups als wertvolle Erfahrung gesehen, die nur helfen kann, das eigene Profil zu schärfen. Die hohe Dichte von Startups in Cambridge und in den umliegenden Ortschaften sorgt auch dafür, dass die Entscheidung zur Firmengründung nicht exotisch ist, sondern ein ganz normaler Schritt im beruflichen Leben oder am Ende der akademischen Ausbildung darstellt.

Fachliche Seiteneinsteiger
Dabei wird auch weniger Gewicht auf den bisherigen beruflichen Werdegang gelegt. Beispielsweise habe ich Jeff Behrens kennen gelernt, der als VP Business Development bei Edimer Pharmaceuticals tätig ist. Das Startup entwickelt zusammen mit Schweizer Forschern an der Universität Lausanne neue Wirkstoffe gegen eine seltene Erbkrankheit. Jeff ist ursprünglich Computerfachmann und hat die ersten zehn Jahre seiner Karriere in diesem Bereich verbracht. Nachdem er sein IT-Unternehmen verkaufen konnte, orientierte er sich nach kurzer Überlegung um und lernte in einem Nachdiplomstudium das Handwerk des Biotech-Unternehmers. Nach einigen Jahren bei innovativen Biotech- und Pharma-Firmen im Raum Cambridge stiess er schliesslich zu Edimer. Diese für Schweizer Verhältnisse eher ungewöhnliche Vita zeigt, wie sehr die Person, das Verhalten und der Einsatz in den USA eine Rolle spielt. Da es leichter ist, zwischen den Fachgebieten zu wechseln, gibt es auch zusätzliche Stimulation, da die Seiteneinsteiger Ideen, Geschäftsmodelle und Technologien mitbringen.

Mehr Kapital = bessere Leistung?
Mein Eindruck aus den letzten Tagen ist, dass amerikanische Startups häufig substantiell höhere Finanzierungsrunden durchführen. Sicherlich gibt es mehr Risikokapital in Gegenden wie Boston, doch für viele von uns bleibt die Frage, ob ein zweistelliger Millionenbetrag für die Seed-Finanzierung zwangsläufig zu einem besseren Business Case führt. Eine nicht repräsentative Umfrage unter den venture leaders spricht hier eher für das Schweizer Modell.

Weiterführende Links

annual report 2013

Mehr als 11 Mio. an Startkapital, über 298 finanzierte Startups, mehr als 464 Mio. an Folgefinanzierungen und 2433 neue Jobs - dies ist der Erfolgsausweis von venture kick seit die private Initiative im Herbst 2007 ins Leben gerufen wurde (Konsortium).

annual report 2013

Eine philanthropische Initiative eines privaten Konsortiums

Wissenschaftliche Innovationen in die Marktwirtschaft zu transferieren und damit nachhaltige Arbeitsplätze zu schaffen ist der Schlüssel für sozialen und wirtschaftlichen Wohlstand. Startups sind besonders in den Anfängen hohen wirtschaftlichen Risiken ausgesetzt, die weder von öffentlichen Geldern, noch von privaten Investoren abgefedert werden. Diese Lücke zu schliessen und Startups in einer sehr frühen Phase zu unterstützen ist wichtig und eine philantropische Aufgabe.