Neue Standards bei der Medikamentenentwicklung

Wer sich im Pharmabusiness etablieren will, braucht nicht nur eine zündende Geschäftsidee, sondern muss sein Produkt auch den gegebenen Industriestandards anpassen. Mit seiner organotypischen 3D-Zellkultur-Lösung ist den Gründern von InSphero genau das gelungen.

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Das Team von InSphero (l. nach r.): Wolfgang Moritz, Jan Lichtenberg, Simon P. Hoerstrup und Jens M. Kelm

Der Entwicklungsweg eines Medikaments vom ersten Test bis zur Zulassung ist lang und kostenintensiv. Wolfgang Moritz, Jan Lichtenberg, Jens M. Kelm und Simon P. Hoerstrup von InSphero haben diesen langwierigen Prozess mittels ihrer «Mikrogewebe-Technologie» markant verbessert und stellen dabei bisherige Standards auf den Kopf. Auf dem Weg zum erfolgreichen Geschäftsmodell hat auch venturelab seinen Teil beigetragen.

Kosten tief halten und Tierversuche reduzieren
Die Entwicklung eines Medikaments erstreckt sich über drei Phasen, in denen in Frage kommende Substanzen über verschiedene Selektionsprozesse evaluiert werden. Jens Kelm meint dazu: «In einem ersten Schritt werden mögliche Substanzen hauptsächlich mittels biochemischer Labortests ausgewählt. In einer zweiten Phase finden zellbasierte Untersuchungen statt, während in der dritten Stufe preklinische und klinische Tests an Tier und Mensch anstehen. Ziel ist es, die unbrauchbaren Substanzen so früh wie möglich auszuscheiden, um die Kosten tief zu halten und die Anzahl der Tierversuche zu reduzieren.» Dabei hapert es gemäss InSphero genau bei Phase 2. Wolfgang Moritz: «Im Moment ist nur eine von zehn Substanzen, die bei den zellbasierten Untersuchungen durchkommen, anschliessend einsetzbar.»

Durch hängende Tropfen organotypische 3D-Zellkulturen züchten
40 Jahre lang hat sich in diesem Bereich praktisch nichts verändert. Jan Lichtenberg: «Im Moment werden für die zellbasierten Tests zweidimensionale Zellkulturen verwendet. Natürlicherweise sind Zellen aber in 3D-Geweben angeordnet, die auch anders reagieren als zweidimensionale.» InSphero ist es nun gelungen, ein System zu entwickeln, in dem die Zellen in hängenden Tropfen dreidimensional wachsen. «Das ist aber noch nicht der ganze Trick an der Sache», erklärt Jens. «Wir haben eine Lösung entwickelt, die sich eins zu eins in den heutigen Entwicklungsprozess integrieren lässt. Und das ist immens wichtig, um in der Pharmabranche Erfolg zu haben.» Für die Kunden von InSphero heisst das konkret, dass sie die gelieferten Mikrogewebe des Biotech-Startups bei sich einsetzen können, ohne andere Apparaturen und Geräte dazukaufen zu müssen. Jens: «Der einzige Unterschied für den Kunden besteht darin, dass er mit unserer Technologie die biologisch relevanteren Resultate erzielt. In Zahlen ausgedrückt, bedeutet das eine Verbesserung von vorraussichtlich 10%. Das mag nach wenig klingen, im konkreten Fall sind so aber Einsparungen von bis zu 100 Millionen Franken möglich.»

Am Anfang die Idee
Anstoss zu dieser innovativen Geschäftsidee lieferte ein Projekt am Unispital Zürich: Wolfgang: «Jens und ich arbeiteten dazumal zusammen, stolperten über ein Problem und dachten, hey, das könnte man doch echt besser machen.» Jan Lichtenberg, ein langjähriger Freund von Jens liess sich von der Idee begeistern und stieg kurzerhand ein. Jens: «Ohne Jan wären wir nicht so schnell vorwärts gekommen. Er verfügte bereits über unternehmerisches Knowhow, während Wolfgang und ich mit Unterstützung meines damaligen Chefs Simon P. Hoerstrup das entsprechende Fachwissen einbrachten.» Das starke Team ist für die vier einer ihrer stärksten Erfolgsfaktoren. Jan: «Wir ergänzen uns optimal! Und alle machen alles: vom Verkauf über Marketing bis zu Finanzexpertisen. Unternehmer sein ist spannend, lehrreich, ja oft fühlt man sich wieder wie ein Schuljunge, der alles noch neu zu lernen hat.»

Mit venturelab fit fürs Unternehmertum
Um sich selber fürs Unternehmertum fit zu machen, besuchten Jens und Wolfgang im letzten Jahr den venture plan. Dazu meint Wolfgang schmunzelnd: «Wir Wissenschaftler sind alle etwas technologieverliebt. Bei einem Unternehmen geht es aber nicht darum, eine Technologie, sondern ein Produkt zu verkaufen. Das erfordert ein starkes Umdenken.» Geholfen hat ihm dabei vor allem das konstruktive Feedback der Startup-Experten. «Es ist immens wichtig, früh rauszugehen und seine Idee mit Anderen zu diskutieren. Nur so entwickelt man genau das, was die Kunden auch brauchen und wollen.» Für das Frühjahr planen Jan und Wolfgang den Besuch des fünftägigen venture trainings. «Das ist für uns die optimale Vorbereitung, um unser Startup auch international zu positionieren. Für dieses Jahr wollen wir unsere Marketing- und Verkaufsaktivitäten massiv ausbauen.»

Schon grosse Erfolge verzeichnet
Blicken die vier Firmengründer auf ihre Anfänge 2007 zurück, staunen sie selber, wie reibungslos der Start verlaufen ist. Wolfgang: «Vielleicht hat es auch damit zu tun, dass wir nicht mehr die Jüngsten sind. Wir haben alles bis ins kleinste Detail vorbereitet, denn wir wussten, das muss klappen.» Dass Andere in die Geschäftsidee von InSphero glauben, beweisen auch die Wettbewerbspreise, die das Startup im 2009 eingeheimst hat. Bei venture kick gewann Insphero 130‘000 Franken, beim Heuberger Winterthur Jungunternehmerpreis 150‘000 Franken. «Dieser finanzielle Stock war für uns extrem wichtig», meint Jan. «In unserer Branche sind die Investitionen am Anfang relativ hoch. Aber eigentlich hatten wir Glück. Viele Apparaturen konnten wir aufgrund der Wirtschaftskrise günstiger einkaufen. Da hat uns für einmal die Krise einen grossen Dienst erwiesen.»

Weiterführende Links

annual report 2013

Mehr als 11 Mio. an Startkapital, über 298 finanzierte Startups, mehr als 464 Mio. an Folgefinanzierungen und 2433 neue Jobs - dies ist der Erfolgsausweis von venture kick seit die private Initiative im Herbst 2007 ins Leben gerufen wurde (Konsortium).

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Eine philanthropische Initiative eines privaten Konsortiums

Wissenschaftliche Innovationen in die Marktwirtschaft zu transferieren und damit nachhaltige Arbeitsplätze zu schaffen ist der Schlüssel für sozialen und wirtschaftlichen Wohlstand. Startups sind besonders in den Anfängen hohen wirtschaftlichen Risiken ausgesetzt, die weder von öffentlichen Geldern, noch von privaten Investoren abgefedert werden. Diese Lücke zu schliessen und Startups in einer sehr frühen Phase zu unterstützen ist wichtig und eine philantropische Aufgabe.