kashuti: Wer hätte nicht gern selber seinen Schultisch bemalt?

Zum zweiten Mal ist es Jean-Philippe Hagmann gelungen, die Jury von venture kick mit seinen Kartontischen für den Schulunterricht zu überzeugen. In den letzten drei Monaten hat der diplomierte Industrial Designer intensiv an seinem Geschäftsmodell gearbeitet und realisiert: Wenn man etwas erreichen will, muss man handeln.

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Die Kartontische von Jean-Philippe Hagmann im Einsatz (Zürcher Pilotprojekt)

4 Kilogramm leicht sind sie, aus Wellkarton und auf verschiedene Körpergrössen anpassbar. Die Rede ist von den Kartontischen, die Jean-Philippe Hagmann designt hat und unterdessen auch vertreibt. Ein Interview mit dem innovativen Kopf, der bei venture kick weitere 20‘000 Franken gewonnen hat.

Was denkst Du, wie ist es Dir gelungen die venture kick Jury zu überzeugen?
«Wahrscheinlich lag es an unseren witzigen Visitenkarten... Oder vielleicht doch daran, dass wir ein einfaches und erfrischend neues Produkt präsentiert haben, welches jeder aus der Jury zu seiner Primarschulzeit gerne im Klassenzimmer stehen gehabt hätte. Wer hätte als Kind nicht gerne den Schultisch bemalt?»

Seit Stufe 1 sind gut drei Monate vergangen. Was hast Du in der Zwischenzeit gelernt?
«Das Arbeiten am Projekt kashuti ist wie eine intensive Business-Schule. Vor drei Monaten hatten wir ein sympathisches Produkt, welches im Rahmen meiner Design-Diplomarbeit an der FHNW Aarau entstanden ist. Jetzt stehen wir kurz vor der Firmengründung, haben drei fertig entwickelte Produkte, ein laufendes Pilotprojekt in einer Zürcher Primarschule, hatten bereits unseren ersten Messeauftritt, führen Gespräche mit Investoren und haben mit dem Verkauf begonnen. Gelernt habe ich in den letzten Monaten vor allem, dass Planung und Vorbereitung zwar sehr wichtig sind, man aber erst dann beginnt etwas zu erreichen, wenn man handelt.»

Wo setzt Du die Prioritäten für die nächsten Monate?
«In den kommenden Monaten liegt der Schwerpunkt vor allem auf dem Marketing. Konkret heisst das, dass wir in Kürze an zwei wichtigen Messen vertreten sein werden, an der MUBA in Basel und an der FamExpo in Winterthur. Zusätzlich sind wir bestrebt, kashuti durch Berichte zum Pilotprojekt in unterschiedlichen Medien zu platzieren. Ziel ist es, schon bald über die Schweizer Grenzen hinaus in ein paar Schlüsselländer Fuss zu fassen. Der zweite Schwerpunkt liegt darin, Verträge mit Partnern für ein europaweites Vertriebsnetz abzuschliessen. Wir befinden uns momentan schon in viel versprechenden Verhandlungen. Und dann steht noch die Firmengründung bevor: Anfang 2010 entscheidet sich, ob wir eine GmbH oder gleich eine AG gründen und mit welchen Partnern wir zusammenarbeiten werden.»

Gibt es Personen, die Deinem Projekt auch kritisch gegenüberstehen?
«Karton ist ein alltägliches Material. Karton ist nicht stabil. Und Karton ist dazu da, Gegenstände zu verpacken, so die allgemeine Meinung. Aus diesem Grund gibt es immer wieder Leute, die sich zu Beginn nicht wirklich mit der Idee eines Schultisches aus Karton anfreunden können. Diese Skepsis verfliegt aber bei allen, sobald kashuti in echt zu sehen und anzufassen ist. Karton ist eben nicht nur Verpackungsmaterial, sondern ein sehr vielfältiges, ökologisches, und in der richtigen Konstruktion erstaunlich stabiles Material, welches sogar in der Architektur – beim Bau ganzer Häuser – Verwendung findet. Eine Person, die immer wieder kritische Fragen stellt, ist zudem meine Partnerin Ursina Nick. Wenn ich den Eindruck habe, etwas sei kein Problem, ist sie erst dann zufrieden, wenn es auch bewiesenermassen kein Problem ist. Somit ist sie die perfekte Ergänzung für mich.»

Wie viele Tische habt Ihr schon verkauft?
«Den Verkauf haben wir vor etwas mehr als zwei Wochen gestartet und haben bisher 14 Tische verkauft. Die 23 Tische, mit welchen die Primarklasse unseres Pilotprojektes ausgestattet sind, wurden von unserem Partner und Produzenten Model AG gesponsort.»

Wie reagieren die Kinder auf Eure Tische?
«Kinder finden kashuti toll. Vor allem sind sie begeistert, wenn sie erfahren, dass ihnen der Schultisch von der Schule geschenkt wird. Als wir beispielsweise die Pilotklasse in Zürich mit Tischen bestückt haben, umklammerten die Kinder bereits die Verpackungen der Tische vor lauter Vorfreude. Und zwei Wochen nach Beginn dieses Pilotprojektes haben mir die Kinder erzählt, dass zu den Hausaufgabenstunden nach den regulären Schulstunden die Schüler der übrigen Klassen ihres Schulhauses nur in diesem Zimmer sitzen wollen. Wie sehr die Kinder ihre Kartontische schätzen, kann man sehr gut an der sorgfältigen und wunderschönen Bemalung der Tische erkennen.»

Wie finanziert Ihr Euch?
«Wir haben das grosse Glück, dass uns die Model AG, mit der ich aufgrund meiner Diplomarbeit in Kontakt getreten bin, sowohl bei der Entwicklung der Prototypen, als auch bei der Herstellung der ersten Kleinserie kostenlos unterstützte und weiterhin grosszügig mit uns zusammenarbeitet. Zudem haben wir das Fördergeld der ersten Runde von venture kick – 10'000 CHF – sehr gut gebrauchen können. Nun, da wir die Jury auch in der zweiten Runde von venture kick überzeugen konnten, ist es uns möglich grössere Schritte auf unserem Weg zu nehmen.»

Wohin führt Dich Deine Vision?
«Wir möchten mit kashuti einen Beitrag zu den Reformbestrebungen im Schulwesen leisten. Mit diesen leichten Tischen werden Türen für flexiblere und lebendigere Unterrichtsstile geöffnet, welche sich mehr mit jedem Kind als Individuum beschäftigen können. Meine Vision ist, dass wir mit kashuti weltweit, sei es bei uns oder auch in Entwicklungsländern, dazu beitragen können, dass Kinder den Spass an der Kreativität, am Entdecken von Neuem und vor allem am Lernen nicht verlieren.»

Weiterführende Links

annual report 2013

Mehr als 11 Mio. an Startkapital, über 298 finanzierte Startups, mehr als 464 Mio. an Folgefinanzierungen und 2433 neue Jobs - dies ist der Erfolgsausweis von venture kick seit die private Initiative im Herbst 2007 ins Leben gerufen wurde (Konsortium).

annual report 2013

Eine philanthropische Initiative eines privaten Konsortiums

Wissenschaftliche Innovationen in die Marktwirtschaft zu transferieren und damit nachhaltige Arbeitsplätze zu schaffen ist der Schlüssel für sozialen und wirtschaftlichen Wohlstand. Startups sind besonders in den Anfängen hohen wirtschaftlichen Risiken ausgesetzt, die weder von öffentlichen Geldern, noch von privaten Investoren abgefedert werden. Diese Lücke zu schliessen und Startups in einer sehr frühen Phase zu unterstützen ist wichtig und eine philantropische Aufgabe.